Sozialwissenschaftlicher Sexismus: Carol Gilligans
Fehlvermessung des Menschen (S.101-108)
Debra Nails
Debra Nails erwartet sich von einer sozialwissenschaftlichen
Studie eine verlässliche Darstellung fehlerfreier Stichproben bei statistischen
Analysen. Es sei nicht zulässig, bestimmte Daten hervorzuheben und bewusst eine
hermeneutische "Interpretation" vorzunehmen. Genauso wären
exemplarische Einzelbeispiele, die eine These unterstützen nicht angebracht,
repräsentative Beispiele seien entscheidend.
Sie führt an, dass Carol Gilligan und Mary F. Belenky zwischen Gilligans Die andere Stimme und Belenkys Disserationsschrift (Conflict and Development) in Kooperation "A Naturalistic Study of Abortion Decisions" schrieben. Während Belenky jedoch in ihrer Dissertation Aussagen ungekürzt offenlegt, finden sich in Gilligans Text immer wieder Auslassungen von Daten. Dies macht Nails an der Entwicklung einer Frau namens Betty fest, die bei Gilligan ein etwas zu stimmiges Fallbeispiel abgibt.
Sie führt an, dass Carol Gilligan und Mary F. Belenky zwischen Gilligans Die andere Stimme und Belenkys Disserationsschrift (Conflict and Development) in Kooperation "A Naturalistic Study of Abortion Decisions" schrieben. Während Belenky jedoch in ihrer Dissertation Aussagen ungekürzt offenlegt, finden sich in Gilligans Text immer wieder Auslassungen von Daten. Dies macht Nails an der Entwicklung einer Frau namens Betty fest, die bei Gilligan ein etwas zu stimmiges Fallbeispiel abgibt.
Zunächst hat Gilligan in einem ersten Gespräch mit Betty
durch nicht gekennzeichnete und geschickt gesetzte Textauslassungen, sowie
Umformulierungen und Interpretationen von Bettys Aussagen ein möglichst
egoistisches Bild der Probandin gezeichnet. Umso einfacher fiel es Gilligan im
Folgenden die "dramtische Veränderung" Bettys hin zu einer höheren
Moralstufe aufzuzeigen. So zitiert Gilligan unter anderem Bettys Aussage
"ich bin sehr sensibel", um ihre Entwicklung darzustellen und lässt
Bettys Nachsatz "mein Ideal wäre es, nicht so sensibel zu sein. So können
andere meine Gefühle so leicht verletzen" aus. Der Nachsatz würde
Gilligans These verletzen, nach der es Frauen darum geht, andere nicht zu
verletzen und nicht darum, eigene Verletzung zu vermeiden.
Nails arbeitet an weiteren Aussagen von Betty heraus, dass
Gilligan ein bewusst pointiertes Bild von Betty zeichnet und beispielsweise
Aussagen zu Berechtigung zur Rache außen vor lässt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen